China,  COVID-19

Shanghai im Lock-Down

So, nun ist es soweit. Shanghai ist im Lock-Down. Angekündigt wurde letzte Woche vollmundig, dass Shanghai keinen Lock-Down benötigen werde.

Dann wurde der zweigeteilte Lock-Down verkündet. Zuerst sollte der Ost-Teil der Stadt für vier Tage in den Lock-Down und an dem Tag wieder entsperrt werden, an welchem der West-Teil in den Lock-Down geht.

Der West-Teil ging heute in den Lock-Down, der Ost-Teil ist größtenteils noch weiterhin im Lock-Down. Man kann ohne Übertreibung behaupten „Shanghai im Lock-Down“.

Für mich als insulinpflichtiger Diabetiker eine sich verschärfende Situation. Meine Klinik ist im Ost-Teil, noch immer geschlossen und ich lebe im West-Teil, welcher gerade geschlossen wurde. Es wird spannend.

Die Zahlen verfolgend, welche von offizieller Seite vermeldet werden, kann ich nur noch schmunzeln. Seit gestern sinken sie. Das ist genau das, was die Bevölkerung sehen will. Ich dagegen habe beschlossen, die Bekanntgabe der täglichen Infektionen ab sofort zu ignorieren. Mir gefallen Grimms Märchen besser.

Die Stimmung heute früh gegen 5 Uhr war gespenstisch. Keine Metro, keine Busse, keine Roller, keine Menschen, und – für mich das Beeindruckenste – selbst das Vogelgezwitscher schien auf ein Minimum reduziert zu sein. Ehrlich, es fühlte sich an wie in einem drittklassigen Horrorfilm. Dieser ganze Geräuschpegel, den eine Stadt mit 26 Millionen Einwohnern ja sonst hat war verschwunden. Man steht auf dem Balkon, schaut raus, sieht – aber das Bild passt nicht zu dem, was man hört. Die Nackenhaare stellen sich da auf. Man weiß nicht wieso, aber man scheint eine Gefahr zu wittern.

Abtransport der Infizierten

Ein paar Minuten später dann Lärm. Oh, ein Bus hält vor einem benachbarten Gebäude, Polizeifahrzeuge, Menschen, Palaver. Eine Menschenschlange wird zum Bus geführt. Jeder trägt sein Bündel mit sich. Oh ja, darin befindet sich was man so braucht, wenn man in die Isolation gebracht wird. In China wird, Stand heute, jeder Infizierte ohne Symptome, in so ein Lager verfrachtet. Ein Ort, an dem man nicht sein möchte. Seltsam, Vorstellungen der Nazizeit blitzen in meinem Kopf auf.

Hier kann so ein Isolationslager eine ausgediente, leere Fabrikhalle sein. Dort steht dann Feldbett an Feldbett. Die hygienischen Umstände werden wohl entsprechend sein. Jedenfalls zeigen die Kurzvideos, welche im Netz kursieren genau das. Man will dort nicht sein.

16 Millionen Einwohner sollen heute getestet werden. Einer davon bin ich.

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